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Ilja Mlosch

  • geboren 1971 in Starnberg
  • aufgewachsen in Berlin und Ulm
  • 1994 bis 1998 Hochschulstudium der Theatertechnik in Berlin
  • ab 1994 Materialerforschung und freischaffende künstlerische Arbeit
  • 1998 Diplomarbeit „Herstellungsmethoden der Theaterplastik“
  • ab 2001 Theaterarbeit an großen deutschsprachigen Häusern: Burgtheater Wien, Schaubühne Berlin, Staatsoper Berlin, Residenztheater München
  • ab 2012 verschiedene Ausstellungen und Wettbewerbe – p.e. Triennale Ulm im Museum Weishaupt, Kulturhaus Tuchfabrik Trier, Galerie Juliane Hundertmark Berlin etc.
  • ab 2015 Touch up: Restaurierung und Oberflächenkorrektur von Luxus-Interieur auf Megayachten

www.iljamlosch.de

NAHFELDFORSCHUNG
Eine Irritation: Ilja Mloschs Bilder lassen sich nicht leicht ergründen. Man kann sie zeitlich nur schwer einordnen und auch ihren Ursprung nicht genau erfassen. Wären die Bildinhalte nicht so aktuell, könnte man glauben, ein uraltes Gemälde vor sich zu haben. Bildschichten überzogen von einem speckigen Glanz breiten sich vor dem Betrachter aus.
Aus den fotografischen Grundmotiven, die nur Nebensächlichkeiten sind, wurden sorgfältig ausgewählte Fragmente bis auf ihre Wesentlichkeit reduziert. Es sind feine und faszinierende Elemente, die durch Verdichtung und Reduktion überdeutlich hervortreten: Häuserfluchten, ineinander verzahnte Schädelplatten, feine pflanzliche Strukturen… Ilja Mlosch gibt den Details einen Raum und arbeitet sie in seinen Bildern Schicht für Schicht heraus.
Grund, Motiv, Farbe, Oberfläche und Glanz: Im Zusammenspiel werden die Motive aus der Zeit gehoben, die Stadtansichten alt gemacht oder in eine schon vergangene Zukunft versetzt. Anmutige Pflanzenteile, Gräser, zarte Blüten wehen auf den Bildern noch im Wind, obgleich sie in der Bewegung festgehalten wurden.
Die Bilder fesseln die Aufmerksamkeit des Betrachters, der sie immer wieder ansehen möchte, um ihr Geheimnis zu entschlüsseln.
Der 42-jährige Künstler und Theateringenieur Ilja Mlosch lebt mit seiner Familie in Berlin, wo er arbeitet und forscht.

Juliane Hundertmark – Begleittext zur Ausstellung 2014

„Der Hyperrealismus der Fotografie muss gebrochen werden“
Der Künstler und Theateringenieur Ilja Mlosch verbindet Malerei und Fotografie
– es entstehen Bilder mit großer Tiefe und viel Raum für eigene Gedanken

Nur sehr feine Linien sind zu erkennen. Vorsichtig bearbeitet Ilja Mlosch die Leinwand, bricht die gespachtelte Oberfläche. Zarte Risse entstehen. Kaum sichtbar. Sie verzweigen sich und verleihen dem Bild einen Hauch von Ferne – zeitlich und örtlich. „Die Risse mache ich später dunkel. Mit Pigment in Leinöl.“ Nur das pigmentierte Öl, das in die Risse einsinkt bleibt auf dem Bild, überschüssige Farbe wird weggewischt.
Dieser Vorgang macht die so charakteristischen Craquelé-Spuren für den Betrachter erst sichtbar. Ein feines Netz, das den Blick des Betrachters schärft, überzieht das Bild. Die Risse fügen sich in die Komposition des Motivs ein, umrahmen es oder setzen sich in Kontrast dazu. Niemals wirken sie zerstörend, immer runden sie das Gefühl, das von einem Bild ausgeht, ab.

Fundstücke beim Spaziergang

Die ersten Bilder dieser Art sind nach einem Urlaub mit der Familie in Dänemark entstanden. Während ausgiebiger Spaziergänge im Seewind sind Ilja Mlosch viele seiner Motive begegnet: Gräser, Blüten, Schilf, Geäst…. Die Fotografien, die er dabei gemacht hat, sind die Grundlage für die weitere Arbeit an seinen Werken. Mit der Inspiration, die die Natur bietet und dem gesammelten Material beginnt die Umsetzung in Malerei.

Nach einer Phase des Fotografierens, des Motivsammelns, kehrt Ilja Mlosch in seine Werkstatt zurück und sichtet zunächst die entstandenen Aufnahmen. Dabei sortiert er aus, wählt sorgfältig geeignete Ausschnitte und reduziert vorhandenes Bildwerk. Erst wenn die perfekte Bildkomposition gefunden ist, wird sie für die Übertragung auf die Leinwand ausgearbeitet.
Es geht um das Finden des richtigen Fragments für das spätere Bild. „Das ist eine ganz andere Herangehensweise, als bei der eigentlichen Fotografie: Nicht das Foto zählt für mich, sondern das, was sich daraus machen lässt, das wozu es mich hinführt.“ Das Foto als Grundmotiv ist nur eine Anregung. Es kommt auf die richtigen Kontraste an und die Ausgewogenheit. Entscheidend ist die Konzentration auf das Wesentliche eines Motivs und damit die Reduktion einer Fotografie auf ihre Essenz.
„Meine Bilder bestehen aus verschiedenen Schichten. Das hat sich für mich im Laufe der Zeit immer mehr herauskristallisiert: Es geht mir um den Bildinhalt, um die Farbe, um die carquelierten Risse und die Oberfläche. Diese Schichten verstehe ich nicht im rein physikalischen Sinn, sondern auch als metaphysische Schichten – wie beim Menschen Seele, Geist und Körper durchscheinende miteinander in Kontakt stehende Schichten sind.“

Handarbeit und Zeit

Als Untergrund für seine Gemälde dienen leinwandbespannte Rahmen oder Holz. Die Keilrahmen für ein Bild baut Ilja Mlosch selbst und bespannt sie mit dem passenden Gewebe. Das Gewebe wählt er jeweils so, dass es die richtige Festigkeit als Untergrund bietet. Der Rahmenbau ist ein Teil des Entstehungsprozesses und befördert den handwerklichen Fluss der Arbeit. Das eigene „Handanlegen“ und die dabei benötigte Zeit sind entscheidende Elemente der Entstehung. Jedes Bild braucht seine Zeit, wofür gerade scheinbar
nebensächliche Tätigkeiten wie der Bau des Trägermediums den geeigneten Raum bieten.

Experimente mit Material und Farbe

Seit jeher interessiert sich der 42-jährige für Materialien, für das Zusammenspiel verschiedener Techniken, für Strukturen. „Mixed Media“ sagt er und lacht. Schon während seines Studiums zum Ingenieur der Theatertechnik stand für ihn das Interesse am Material und der Konstruktion im Vordergrund. Immer war er auch gerade dabei, mit verschiedenen Werkstoffen zu experimentieren: Welches Material hat welche Eigenschaften und bietet welche Vorteile: Knochenleim, Acryl, Firnis, Lack, Öl, Ochsengalle, Dextrin, Silikon, Metall, Holz…. Verschiedenes wurde angerührt, kombiniert und aufgetragen. Immer wieder hing der Haussegen schief, weil das eine oder andere Experiment in der heimischen Werkstatt durchgeführt werden musste und die Hausgemeinschaft belastete. Verfestigt hat sich bei dieser autodidaktisch durchgeführten Materialkunde jedenfalls der Wunsch nach der Möglichkeit eines künstlerischen Ausdrucks.

In Schichten

Die fertig bespannte Leinwand wird zuerst befeuchtet, um zu verhindern, dass beim Auftragen der Spachtelmasse ungewollt Feuchtigkeit entzogen wird und unkontrollierte Risse auf der Bildoberfläche entstehen. Ein Teil der Masse dringt in das Gewebe ein. Es sind mindestens drei bis vier Schichten aufzutragen, um einen geeigneten Grund für das spätere Bild zu erhalten. Es entstehen jetzt bereits erste Formen, die sanft aus der Ebene gehen. Ilja Mlosch lässt sich dabei vom Arbeitsfluss leiten und ist oft genug selbst überrascht von der Schönheit eines so entstandenen Reliefs. „Die Formen und Unebenheiten kommen von selbst. Nicht immer sind sie sofort so, wie ich sie gerade für das Bild brauche. Vieles muss immer wieder ausprobiert und verfeinert werden bis das Ergebnis mich wirklich zufrieden stellt. “
Erst aber muss die Fläche sehr glatt gespachtelt werden, damit die vorbereitete Fotografie möglichst gut übertragen werden kann. „Wenn das Motiv auf der Leinwand ist, kann ich beginnen, die Feinheiten auszuarbeiten.“ Das Motiv bearbeitet und verfeinert der Künstler mit dem Pinsel. Die Bildfläche bearbeitet er mit Craquelétechnik, Farbe und Spachtel.

Erdfarben

„Ich arbeite am liebsten mit natürlichen Pigmenten, mit Erdfarben, weil sie ein breiteres Lichtspektrum haben und in verschiedenen Lichtstimmungen lebendig bleiben. So verändert sich ein Bild im Verlauf eines Tages und lebt mit.“ Ilja Mlosch hat sich dafür eine Auswahl an Grundfarben zusammengestellt, auf die er bei der Arbeit zugreifen kann. Es sind Farbtöne wie die schattenhafte gebrannte Umbra, die erdige Ockerfarbe Terra di Siena und das violettbraune Morellensalz oder Caput Mortuum, wie es die Alchimisten
einst benannten. Für die Feinarbeiten mit zarten Pinseln kommt Eisenoxid-Schwarz zum Einsatz. Damit können die vielen kleinen Details am Bildmotiv nach- und ausgearbeitet werden.
Der Farbauftrag beginnt entweder schon zusammen mit dem Aufbringen der Spachtelmasse oder erst später mit dem Pinsel. Die Pigmente löst Ilja Mlosch in einem mineralischen Binder: je nach Bild in Kaliwasserglas oder Öl.
„Wenn ich Öl zum Malen verwende, arbeite ich im ersten Schritt noch ohne Pigment. Ich trage das reine Öl auf, es dringt in die Spachtelmasse ein und macht sie durchscheinend.“ Die Bildoberfläche erhält dabei eine spezielle Transparenz. Zugleich verschließt das Öl die Fläche. Erst nach diesem Vorgang wird dem Öl das Pigment beigemischt. Bei der Arbeit mit Öl kann er sich viel Zeit lassen und lange an einem Bild arbeiten, weil die Ölfarbe nur sehr langsam trocknet und so die Farbübergänge mit viel Ruhe ausgearbeitet werden
können.

Eingeschlossen in speckigem Glanz

Wenn alles fertig ist, wenn der Künstler mit seinem Werk zufrieden ist, erfolgt der letzte und abschließende Arbeitsschritt. Das Bild wird mit einem speckigen Glanz überzogen. Der dafür eingesetzte Fußbodenhochglanzlack schützt die Bilder vor Außeneinwirkungen und verleiht ihnen den speckigen Glanz eines uralten Gemäldes. Es ist ein weiteres Mittel, um den Bildern ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Zeit zu nehmen. Sie stehen eher außerhalb der Zeit, in einem eigenen spezifischen Zeitfenster. Damit beruhigt und verwirrt Ilja Mlosch den Betrachter zugleich.

Fischreusen – Unendlichkeit

Eine glatte fast unwirkliche Wasseroberfläche, darin unregelmäßige Hölzer einer Fischreuse, vereinzelte Wasservögel, ein kleines Fischerboot. Die neuen Bilder sind in hellen Farben gehalten, reduziert auf den inselhaft anmutenden Aufbau der Reusen. Das dafür gewählte schmale Querformat unterstützt den Eindruck von Unendlichkeit. Man sucht in der Ferne nach irgendeinem Anhaltspunkt und findet nur den unbegrenzten Horizont, die offene Weite.
Sieht man sich außerdem das Filmwerk an, das zusammen mit den Fischreusenbildern entstanden ist, kann man sich ganz in Ruhe seinen Gedanken an die Zeit, Vergänglichkeit und Unendlichkeit überlassen.
Ilja Mlosch dagegen arbeitet bereits am nächsten Projekt: Fotografien von Totenschädeln, die er bei der Besichtigung eines anthropologischen Instituts machen konnte, sollen jetzt auf die Leinwand kommen.

Lili von Wäldenbronn

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